Das westfälische Regenwetter konnte den Münsteraner Aktivisten von Amnesty International am vergangenen Samstag nichts anhaben. Der widrigen Bedingunge fanden sich mittags circa 20 Mitglieder vor den Aaseekugeln ein, um mit verschiedensten Aktionen auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen. Dabei hatten sie sich einen strategisch günstigen Platz zwischen Flohmarkt und Fußball WM- Public Viewing am Café Uferlos ausgesucht.
Viele Passanten interessierten sich für die Aktionen und erste Unterschriften fanden sich bald auf den Klemmbrettern. Um die Aufmerksamkeit auf den Aktionstag zu lenken, wurde an vorderster Stelle die eindrucksvolle Menschenrechtswaage platziert, mit der die Leute symbolisch Gefangene befreien können. Günter Freitag von der LateinamerikaGruppe trug eine weiße Maske und hatte sich hier in einen winzigen Käfig einsperren lassen. Der Käfig hing an der einen Seite einer großen Waage, wobei auf der anderen Seite war ein Korb befestigt war, der mit Steinen gefüllt werden musste. Unterschrieben die Leute eine Postkarte an mongolische Abgeordnete bezüglich der Abschaffung der Todesstrafe, konnten sie einen Stein in den Korb werfen. Mit der Unterstützung der Aktion brachten sie nicht nur den frierenden Rainer der Freiheit näher, sondern trugen auch durch ihre Unterschrift zur Verbesserung der Situation von Gefangenen bei. „Das kann zeigen, dass jeder etwas dazu beitragen kann, dass sich etwas verändert“, so Christine Annen, ebenfalls Mitglied der Lateinamerika – Gruppe. Hintergrund dieser Aktion war eine Rede und ein damit zusammenhängender Gesetzesentwurf des mongolischen Ministerpräsidenten, der seit einem Jahr im Amt ist. Dieser spricht sich ganz klar gegen die Todesstrafe aus. Amnesty International will mit der Postkartenaktion die Abgeordneten dazu ermutigen, für dieses Gesetz zu stimmen. Sie sichern den Abgeordneten damit die Zustimmung der internationalen Öffentlichkeit zu.
Auch die willkürliche Verhaftung in der Türkei und die schlechten Haftbedingungen dort waren Thema einer Aktion. Erschrocken zeigten sich Besucher des Aktionstages von der nachgestellten Gefangenentransportzelle, die nicht größer als ein kleines Zelt ist, in der aber 12 Menschen transportiert werden. „Das ganze macht es sehr plastisch. Wenn man überlegt, dass darin Leute 14 Stunden transportiert werden, dann sind die Leute eher bereit die Arbeit von Amnesty International zu unterstützen und ich hoffe auch, dass das einen bleibenden Eindruck hinterlässt “ , so Gunnar von der Hochschulgruppe Münster.
Einen weiteren Stand betreute die Asylgruppe, die wieder ihr erfolgreiches Kochbuch mit Rezepten von Flüchtlingen verkaufte und außerdemmit leckerem Kuchen lockte. Ebenso informierten sie über die Aktion 302 gegen die Abschiebung von 302 Münsteraner Roma, die zurück in den Kosovo sollen. Auf großen, grell – gelben Plakaten konnten sich Interessierte daneben über den Vorgang von Asylverfahren und illegaler Einwanderung informieren.
Am Glücksrad, konnte man kleine Amnesty – Preise wie z.B. die Menschenrechtserklärungen gewinnen wodurch die eine oder andere Spende zusammenkam. „Wir betreiben damit auch ein bisschen Menschenrechtsbildung“, meinte Karla von der Hochschlgruppe.
Mit etwas mehr Sonnenschein wären wahrscheinlich noch mehr Passanten auf die eindrucksvollen Aktionen aufmerksam geworden, jedoch waren die Amnesty International Mitglieder gegen Ende mit der Resonanz zufrieden. „Es macht immer Spaß, zu sehen, wie sehr man die Leute begeistern kann“, resümiert Juliette von der Hochschulgruppe, die die Organisation des Bezirksaktionstages übernommen hatte. Ein kleiner Wermutstropfen lag darin, dass aufgrund des unstabilen Wetters einige Gruppen des Bezirks Münster/Osnabrück, die von weiter her kamen abgesagt hatten. Spannend ist auch, dass sich vor allem Kinder und ihre Eltern stark interessierten, mitmachten und sich begeistern ließen.
Mit dem Bezirksaktionstag trotzten die AI – Gruppen nicht nur dem Regen. Sie haben über Menschenrechtsverletzungen aufgeklärt und Menschen auf die Arbeit der Nicht – Regierungsorganisation aufmerksam gemacht.