Neuenhaus 1662

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Jubiläumskonzert in Neuenhaus

Rauschendes Fest des A-cappella-Gesangs

Neuenhauser Amnesty-Gruppe organisiert Jubiläumskonzert in Neuenhaus

Seit 50 Jahren gibt es die Menschenrechtsorganisation Amnesty International, seit 35 Jahren die Ortsgruppe Neuenhaus. Das wurde am Wochenende gebührend gefeiert.

Von Marcus Pfeifer -  (Fotos: Gerold Meppelink ) Neuenhaus. Als im Jahre 1961 im diktatorisch regierten Portugal zwei Studenten dafür sieben Jahre ins Gefängnis gesteckt wurden, weil sie öffentlich auf das Ideal der Freiheit anstießen, protestierte der Rechtsanwalt jüdischer Herkunft Peter Benenson öffentlich dagegen im Londoner Observer und kündigte ähnliche Aktionen dieser Art an. Dies gilt als die Geburtsstunde der mittlerweile weltweit etablierten Menschenrechtsorganisation Amnesty International, die auch noch im gleichen Jahr ihre deutsche Sektion gründete: Anlass genug für die seit 35 Jahren aktive Neuenhauser ai-Gruppe, dieses Jubiläum gebührend zu feiern.

Und man ließ die unermüdlichen Aktivisten um Michel Sauvadet, den man wohl als den eigentlichen Gründervater des Neuenhauser ai-Engagements bezeichnen darf, nicht im Stich: Sage und schreibe vier A-cappella-Gruppen, streng genommen fünf, sagten ihre Teilnahme zu, und es wurde ein rauschendes Fest des Gesangs im Zeichen der Menschenrechte.

Bereits das erste Ensemble, eine zeitweilige Kooperation des Mädchenchors Experience mit dem Jungenchor der Nice Guys, stellte bei der Interpretation eindringlich gefühlsbetonter Balladen wie dem „Nature Boy“ aus Moulin Rouge und anderen Chören mit dem Touch von Kirchenmusik, aber auch bei deutlich lebendigeren Stücken eine beeindruckende Professionalität unter Beweis. Dies betrifft nicht nur die immer den Nerv treffende gesangliche Interpretation und das gelungene Zusammenspiel von Mädchen und Jungen, sondern auch die für jedes Lied perfekt einstudierten, oft sehr aufwändigen Choreographien, die mit großer Spielfreude umgesetzt wurden.

Die unter dem Label „älteste Boygroup der Grafschaft“ firmierende und allseits bekannte Gruppe „Wirsing“ präsentierte Gospelsongs wie „Down by the Riverside“ oder das in afrikanischer Sprache vorgetragene „Homeless“. Nur mit Mühe und augenzwinkerndem Humor gelang es, anlässlich des Mottos dieses musikalischen Abends allen Beiträgen den Charakter der politischen Freiheitshymne zuzuschreiben, etwa indem das Lied des aufdringlichen Nachbarn, der seine Augen nicht von der attraktiven Nachbarin lassen kann, als „Stalker-Song“ deklariert wurde oder auch bei der hinreißend komischen Parodie von Herbert Grönemeyers „Männer“ unter dem Titel „Zwerge“, einer angeblich auch äußerster Diskriminierung ausgesetzten Randgruppe der Gesellschaft.

Wie alte bühnenerprobte Routiniers erstürmten sich im Anschluss die vier jungen Herren des Quartetts „Vier gewinnt“ die Bühne, die mit einem Sieg beim letztjährigen Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ auch auf nationaler Ebene wohl hinreichend Eindruck gemacht hatten. Sie faszinierten wieder einmal etwa mit ihrem Song „Wochenend und Sonnenschein“ mit gewohnt-gekonntem slapstickartigen Auftritt, als wären es die „Comedian Harmonists“ persönlich. Auch englischsprachige Welthits wie „Sh-Boom“ oder „Barbara Ann“ saßen perfekt und ließen das etwa 400 Zuschauer zählende Publikum lang anhaltenden Beifall klatschen, das strenge Regime der Organisatoren verhinderte hingegen auch bei dieser Gruppe eine Zugabe.

Den abschließenden Höhepunkt des Abends bot dann die deutschlandweit angesagte Münsteraner A-cappella-Formation „6 Zylinder“, die mit Winne Voget auch Wurzeln in der Grafschaft hat. Wie ihre Vorgänger brachten sie mit ihrer Darstellung eher ungehemmte Lebensfreude als nachdenkliche Politsongs zu Besten, doch wer mochte es ihnen auch schon verübeln. Sie präsentieren das außerordentlich rhythmische spanische „A Dios le Pido“ rein vokal, als hätten sie eine voll instrumentierte Combo dabei, und zeigten damit ungezügeltes mediterranes Temperament in Reinkultur. Mit „Ich wär’ so gerne Roberto Blanco“ verwandelten diese Stimmungskanonen den ganzen Laden in einen stimmgewaltigen gemischten Chor, der sogar seinerseits stimmlich überzeugen kann, zumindest der weibliche Teil.

Dass sich die Gruppe auch in Sachen Humor gewaschen hat, stellt sie etwa mit ihrer angeblich nicht ganz jugendfreien Version „Wir woll’n doch nur spielen“ frei nach Annett Louisans oder mit der Verballhornung des englischen Evergreens „Uptown Girl“ unter Beweis, den man zu einem Küchensong ummodelte, in dem es nun um das „Abtau’n“ des Kühlschranks geht. Doch den humoristischen Höhepunkt stellt Thomas Michaelis dar, wenn er sich als etwas beschränkter Landwirt westfälischer Herkunft geriert, der in „Bauer sucht Frau“-Manier nach weiblichem Anhang Ausschau hält, aber nur bei ebensolchem Anklang findet, der beim Anblick der Sonne, wie sie romantisch in der blühenden ländlichen Landschaft am Horizont versinkt, nur zu bemerken weiß: „Es stinkt.“

Bei diesem Gig hingegen sind Zugaben zugelassen, und so gibt es nach tadellosen Darbietungen im Deutschen, Englischen und Spanischen nun als Schmankerl auch noch einen perfekt hingelegten bayrischen Jodler.

Dafür, dass der durchaus ernsthafte Anlass der Veranstaltung nicht gänzlich aus den Augen geriet, sorgten die Mitglieder des Seminarfachs „Amnesty International“ des Gymnasiums, die mit einem Kurzfilm gegen die gegenwärtige Abschiebungspraxis in Europa Stimmung machten und anhand einer szenischen Darbietung beispielhaft die Aufmerksamkeit auf Einzelschicksale politisch Verfolgter im Sudan, in Mexiko, Burundi, Kroatien und der Türkei lenkten. Des Weiteren wurde anhand einer groß angelegten Plakatausstellung auf wichtige Aspekte der Arbeit von Amnesty International aufmerksam gemacht. Für den reibungslosen Ablauf des Abends sorgten auch die zahlreichen Mitglieder der ai-Arbeitsgemeinschaft der Realschule.

(Mit freundlicher Genehmigung der Grafschafter Nachrichten)